Aufwärm-Techniken

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Kreativtechniken zum Warmwerden

Bei den Techniken zum Warmwerden geht es noch nicht um konkrete Ideenwentwicklung, sondern darum, die Fantasie der Teilnehmer z.B. eines Workshops anzuregen und aufzulockern. Gerade weil es hier noch nicht darum geht, „ernsthafte“ Ideen für die jeweilige Aufgabe zu entwickeln, kann man sehr spielerisch vorgehen. Man vermeidet Blockaden der Teilnehmer, die durch den Leistungsdruck entstehen können, eine gute und realisierbare Idee hervor zu bringen. Gleichzeitig werden grundlegende kreative Prinzipen eingeübt wie: Kombinieren, Ähnlichkeiten finden, Umkehren, Umstrukturieren etc.

Aufwärmtechniken lassen sich auch mit den anderen Techniken zum Teil sinnvoll kombinieren. Es gibt Aufwärmtechniken deren eingeübte kreative Prinzipien denen von anderen Techniken ähneln, sodass sie sich besonders gut als Vorübung eignen.

Die Techniken werden im Laufe der Zeit noch erweitert. Es lohnt sich also, ab und zu hier vorbei zu schauen!

Fleckenbilder

Ziel der Übung ist es, die Teilnehmer eines Workshops erleben zu lassen, wie verschieden die Möglichkeiten sind, die man in ein und demselben Bild sehen kann.

Für diese Übung muss man etwa 5-10 Fleckenbilder vorbereitet haben. Fleckenbilder heisst, dass es zufällig entstandene Bilder sein sollten, die nichts Bestimmtes darstellen, in denen man aber – mit Fantasie – etwas entdecken kann, z.B. ein Gesicht oder ein Tier. Man kann solche Bilder z.B. erstellen, indem man sich beim Malen die Augen verbindet …

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Die Bilder erhalten auf der Rückseite Symbole (keine Zahlen oder Buchstaben, denn man soll nicht dazu beeinflusst werden, das Bild in eine bestimmte Richtung zu drehen. Was oben und was unten ist, soll nicht vorgegeben sein).

Jeder Teilnehmer erhält eine Liste mit einer Tabelle der Symbole, in die er zu jedem Symbol etwas eintragen kann. Man lässt die Fleckenbilder im Workshop herum gehen und jeder Teilnehmer trägt in der Liste ein, was er auf dem Bild erkannt hat.

Am Ende präsentiert man die Bilder noch einmal nacheinander in der Gruppe und jeder Teilnehmer liest aus seiner Liste vor, was er in diesem Bild gesehen hat.

Papalagi

Die Übung zielt darauf ab, Bekanntes und Gewöhnliches mit einem fremden Blick als Ungewöhnliches zu betrachten. Das schult das Vorstellungsvermögen und die Fähigkeit, Analogien zu bilden.

Oft ist die Haltung, sich seine Welt mit einem fremden Blick anzuschauen, erst die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt Ansätze für Ideen oder Probleme, die einer Lösung bedürfen, entdeckt. Mit dieser Haltung finde ich die meisten meiner Kunstobjekt-Ideen (siehe dazu auch: „Fremde Blicke„). Dabei reicht es oft, die Dinge so lange und intensiv zu betrachten, bis sie von selbst in etwas Fremdartiges kippen. Damit man Dinge auch tatsächlich intensiv betrachtet, ist es hilfreich, sie (aus verschiedenen Perspektiven) zu zeichnen, denn das zwingt einen dazu, genau hin zu schauen.

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Das Buch „Der Papalagi, die Reden des Südseehäuptlings Tuiavii aus Tiavea“ beruht zwar auf reiner Erfindung. Es könnte aber wahr sein. Ein Südseehäuptling hat Europa besucht und beschreibt nach seiner Rückkehr seinem Volk wie ein Europäer (Papalagi) lebt. Er beschreibt es aus der Sicht eines Südseebewohners. So wohnt der Papalagi in steinernen Truhen mit eckigen Löchern darin und wenn er durch das große Loch hinein geht, nennt er es „Eingang“, geht er hinaus, heisst das gleiche eckige Loch aber „Ausgang“ etc. Der Papalagi ist schon ein seltsames Wesen! …

Man kann bei dieser Übung schon Vorgaben machen, oder die Teilnehmer auffordern, sich selbst eine Aufgabe zu suchen. Man sollte die Teilnehmer auch dazu auffordern, Skizzen zu erstellen. Aufgaben (für Kleingruppen) können z.B. sein:

  • Stellen Sie sich vor, dieser Kopierer ist gar kein Kopierer, sondern eine Zeitmaschine. Erklären Sie die Zeitmaschine und was sie alles kann.
  • Machen Sie eine kleine Exkursion in den nächsten Supermarkt und stellen Sie sich vor, es wäre eine moderne Kunstausstellung. Beschreiben Sie die Exponate und erklären Sie, was der Künstler sich dabei gedacht hat.
  • Dieser Raum (i.d.R. ein Workshop-Raum) wurde von Archäologen erst vor kurzem entdeckt. Es handelt sich um eine Kultstätte einer vergangenen Kultur. Erklären Sie anhand des Raums und der Möbel und Gegenstände im Raum, wie eine kulturelle Zeremonie hier durchgeführt wurde und welchen Sinn sie hatte.
  • In Ihrer Kleingruppe befindet sich ein Außerirdischer, der sich als Mensch getarnt hat. Wählen Sie jemanden aus Ihrer Mitte und beschreiben Sie, woran man ihn trotzdem erkennt, was seine Aufgabe bei seiner Erdenmission ist etc.
  • Sie schlafen kurz ein und als Sie wieder aufwachen stellen Sie fest, dass Sie jetzt der Stuhl sind, auf dem Sie zuvor saßen. Wie fühlt es sich an, ein Stuhl zu sein? Was mögen sie, was nicht? Über was denken Sie den ganzen Tag nach und wie ist Ihr Leben als Stuhl und Ihre Pläne für die Zukunft?

Schlagzeilen-Schlamassel

Hier wird auf spielerisch humorvolle Weise die Kombinatorik geübt.

Sie machen ein Praktikum bei einer Boulevard-Zeitung. Es ist mitten in der Nacht, alle Kollegen sind schon weg, nur Sie sind noch im Redaktionshaus. Da klingelt das Telefon. Die Druckerei ist am Apparat. Für die morgige Ausgabe fehlt ihr noch ein Artikel auf Seite 14. Sie versuchen den Redakteur zu erreichen. Der geht aber nicht ans Telefon. Im Papierkorb des Redakteurs finden Sie drei kleine Zettel mit drei Wörtern: Subjekt, Prädikat, Objekt …

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Sie gehen davon aus, dass die Zettel zum vermissten Artikel gehören. Da das Boulevard-Blatt für seinen reißerischen Stil bekannt ist und es auch mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, entschließen Sie sich in Ihrer Not, aus den drei Wörtern einen Artikel zu schreiben.

Die Teilnehmer in Kleingruppen ziehen aus einem Umschlag je ein Subjekt, Prädikat und Objekt und sollen daraus einen reißerischen Artikel verfassen. Es darf also das Blaue vom Himmel gelogen werden und maßlos übertrieben werden. Dabei darf man Subjekt und Objekt auch vertauschen. Der Dreiwortsatz ist dann die Schlagzeile des Artikels.

Dient die weitere Ideenentwicklung z.B. der Entwicklung von Werbeideen, kann man hier als zusätzliche Übung eine Skizze für den Zeitungsartikel erstellen.

Spinnspiration

Man nehme verschiedene Magazine/Zeitschriften aber auch Bücher mit Bildern / Bildbände, was man so zur Verfügung hat zu beliebigen Themen. Für die Übung muss man dann ein Thema festlegen, am besten eins, das jeder kennt, z.B. könnte es um die Entwicklung eines neuen Erfrischungsgetränks gehen, einer neuen Speise oder eines neuen Modedesigns z.B. einer neuen Jacke etc. Hier kann man ggf. auch schon ein Thema wählen, das mit dem eigentlichen Thema der Ideenentwicklung zu tun hat. Damit es jedoch spielerisch bleibt, sollte es auch nicht zu eng am eigentlichen Thema sein.

Die Technik wurde u.a. inspiriert von der Bisoziation (Bild-Assoziation) von Arthur Koestler.

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Als Variation kann man sich auch von Begriffen inspirieren lassen, z.B. mit der bekannten „Reizworttechnik“, indem man blind aus einem z.B. Wörterbuch / Lexikon (falls man überhaupt noch ein gedrucktes Exemplar besitzt!) einen Begriff wählt.

Die Bilder oder Begriffe bilden die Inspirationsgrundlage. Was fällt einem z.B. zur Rezeptur, Verpackungsdesign, Verschlusstechnik oder auch Vermarktungsstrategie eines Erfrischungsgetränks ein, wenn man ein bestimmtes Bild betrachtet und dieses Bild etwas mit den Ideen zu tun haben soll, wobei der Zusammenhang auch gerne weit her geholt sein darf. Am besten funktionieren natürlich Bilder oder Begriffe, die wenig mit einem Erfrischungsgetränk zu tun haben. Ein Buch über Kräutersammeln wäre zu naheliegend, weil man dann schnell mit der Idee der „Kräuterlimonade“ die Aufgabe abgehakt hat und es schwer fällt, hier noch weiter zu denken.

Man kann zunächst das Bild beschreiben und sammeln, was man genau hier alles sieht, an was es einen noch erinnert, was das Grundlegende und Besondere daran ist, z.B. ein Bild eines Fahrrades: Wozu braucht man das, in welchem Kontext tauchen Fahrräder im Leben auf, wie sieht es genau aus, was ist das besonders Prägnante daran, welche verschiedenen Teile und Funktionen hat es, aus welchen Materialien besteht es, wie benutzt man es etc.? Das dient der Ausbreitung des Assoziationsraumes.

Im nächsten Schritt überlegt man, für was man alles Ideen für ein Erfrischungsgetränk braucht (s.o.: Geschmacksrichtung, Konsistenz, Verpackung, Verschlusstechnik etc.) und lässt sich für diese einzelnen Komponenten vom Fahrradbild und den gesammelten Eigenschaften inspirieren und entwickelt Ideen. Dabei kann man ruhig phantasievoll herum spinnen und braucht sich von Realisierbarkeit oder Akzeptanz der Ideen bei möglichen Konsumenten des neuen Erfrischungsgetränks nicht beirren zu lassen.

Zum Schluss sollte man aus den Einzelideen eine Gesamtidee entwickeln, die in sich stimmig ist.

Sammelsurium

Diese Technik funktioniert im Grunde genau so wie „Spinnspiration“. Es werden jedoch keine Zeitschriften oder Bildbände genutzt, sondern eine wahllose Sammlung an kleinen Gegenständen: Was man so rumliegen hat, z.B. Streichholzschachtel, Gummiband, Löffel, Anspitzer, Münzen etc.

Man kann für die Kleingruppen kleine Schachteln mit verschiedenen Gegenständen befüllen. Die Aufgabe ist dann, eine Idee zu entwickeln oder ein Problem zu lösen (das man zuvor thematisch vorgeben sollte, siehe „Spinnspiration“), indem man die jeweiligen Gegenstände als Inspiration nutzt.

Dudendu

Begriffserklärungen erfinden

Als Vorbereitung erfindet man wahllos Begriffe, die aber den Eindruck machen, als könnten sie etwas bedeuten (links im Bild sind schon einige vorgeschlagen). Um sicher zu gehen, dass es den Begriff tatsächlich nicht gibt, kann man danach googlen.

In der Gruppe, die diese Übung durchführt, sollte man aber nicht verraten, dass es die Begriffe nicht gibt. Es fällt leichter, wenn die Teilnehmer glauben, es würde sich um existierende Begriffe handeln.

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Man stellt die Begriffe einzeln vor und stellt an die Teilnehmer folgende Fragen:

  • Was ist das / könnte das sein? Aus welchem Gebiet (z.B. Zoologie, Mechanik etc.) könnte es stammen und warum?
  • Wie genau sieht es aus (hier können auch Skizzen erstellt werden), wenn man es sehen kann und welche sonstigen Eigenschaften hat es?
  • Wofür braucht man das ggf., wie handhabt man es (auch hier können Skizzen erstellt werden), bzw. wenn es z.B. ein Tier ist: wie lebt das Tier, wie verhält es sich etc.?
  • Woran erkennt man einen guten xy?
  • Wenn man xy verkaufen / vermarkten könnte, wie würde man das tun (ggf. auch mit Skizze)?

Die Übung bietet sich ganz besonders als Vorübung an, wenn man z.B. Namen für ein Produkt oder ein Unternehmen entwickelt. Hat man es mit Teilnehmern zu tun, die sich selbst nicht für sonderlich kreativ halten, kann man nach dieser Übung das Gegenteil beweisen, indem man verrät, dass es nur Fantasiebegriffe waren und wie toll sich die Teilnehmer etwas zurecht fantasiert haben.

Und sonst?

Die Technik soll auf den Kreativitätsforscher Joy Paul Guilford zurück gehen und diente dazu, das kreative Denkvermögen zu testen (Es gibt jedoch bis heute keinen validen, also abgesicherten Test zur Messung der Kreativität!). Sie eignet sich jedoch als Technik zum Warmwerden und ist ganz einfach. Man nennt einen einfachen Gegenstand, z.B. eine Büroklammer, ein Ziegelstein, ein Zahnstocher oder ein Kleiderbügel. Noch besser ist es, wenn man diese Gegenstände tatsächlich vorliegen hat, damit die Teilnehmer sie auch in die Hand nehmen können und ausprobieren.

Aufgabe ist es nun, alle möglichen Ideen zu nennen, was man alles noch mit diesem Gegenstand machen könnte, außer dem, wofür er normalerweise gebraucht wird. z.B. könnte man sich die Büroklammer auch als Ohrring durch die Ohren pieksen und weil man Büroklammern verbiegen kann, lässt sich noch alles Mögliche damit anfangen …

Spiele-Erfinder

Hier soll ein neues Spiel entwickelt werden. Die Technik nimmt recht viel Zeit in Anspruch. Das kann sich aber lohnen, denn man lernt aus der Technik wie kreative Entwicklungsprozesse in der Regel tatsächlich ablaufen.

Selten entwickelt man im echten Ideenentwickler-Leben in einer einmaligen Aktion – auf dem grünen Tisch – eine Menge an Ideen, wählt die besten davon aus und realisiert sie dann. Eine Grund-Idee ist meist erst der Anfang und sie entwickelt sich dann schrittweise weiter mit Testphasen / Ausprobieren (Prototyping) dazwischen. Gerade durch die Weiterentwicklungs-Schritte schafft man es oft erst, sich vom Konventionellen zu lösen und sich immer weiter in neue Gefilde zu bewegen, sodass die Idee am Ende ungewöhnlich ist.

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Man fängt bei dieser Aufwärmtechnik z.B. mit einem einfachen und bekannten Kartenspiel an, z.B.: „Mau Mau“. Jede Kleingruppe erhält ein Set Karten und das Spiel wird eine Runde herkömmlich gespielt. Danach sollen sich die Teilnehmer Ideen überlegen, wie sie das Spiel abwandeln können. Die neuen Ideen werden dann ausprobiert und geschaut, ob das Spiel immer noch funktioniert und auch Spaß macht.

Für den nächsten Schritt hat die Moderation eine Auswahl an verschiedenen Spiele-Utensilien vorbereitet. Es gibt Würfel, Spielfiguren, einfache Spielbretter (wie Schachbrettmuster), aber auch Pappen, auf denen man selbst ein Spielfeld gestalten kann, sowie leere Spielkarten zum selbst gestalten. Es können aber auch Dinge angeboten werden, die eigentlich nichts mit Spielen zu tun haben: Schrauben, Gummibänder, Deckel, Münzen, was auch immer … Manche kommen vielleicht auch auf die Idee, Utensilien aus dem vorhandenen Mobiliar oder Interieur zu nehmen. Das sollte die Moderation auch nicht vereiteln, solange nichts zerlegt wird, das ganz bleiben sollte.

Das Spiel wird in den Kleingruppen nun schrittweise mithilfe der neuen Utensilien weiter verändert. Man sollte darauf achten, dass spätestens nach ca. 3 Veränderungsschritten das neue Spiel einmal durchgespielt wird, um zu sehen, ob es funktioniert und Spaß macht, oder ob man die Veränderung lieber wieder zurück nimmt und eine andere probiert.

Am Schluss sollte jede Kleingruppe ein neues Spiel entwickelt haben, das Spaß macht, funktioniert und möglichst wenig Ähnlichkeit mit bekannten Spielen hat.