Ideenentwicklung

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Konkrete Ideen entwickeln

Ist man bis hierher der InsightArt Philosophie gefolgt, hat man als Ausgangslage für die Ideenentwicklung …

  • den psychologischen Code (auch in sinnlicher Form)
  • verschiedene „Farben“ im Umgang mit diesem Code
  • Visualisierungen (z.B. Personas)
  • das Suchfeld ggf. mit einer Einordnung der vorhandenen Produkte
  • die Ideenschlüssel, die für die Aufgabe relevant sind
  • Die kreative Fragestellung, die man auf der Basis des Codes, der Farben und der Ideenschlüssel formuliert hat

Zusätzlich benötigte Informationen

Um für einen Auftraggeber passende Ideen zu entwickeln, benötigt man zusätzlich zu den Ergebnissen aus der Konsumentenforschung noch Angaben zum Unternehmen und der Marke des Auftraggebers:

  • Genaue Zielsetzung der Ideenentwicklung
  • Welche Positionierung haben Produkte und Marken des Auftraggebers aktuell auf dem Markt?
  • Gibt es Besonderheiten – z.B. ein spezielles Image der Marke?
  • Welche Ressourcen sind vorhanden oder beschaffbar und welche Einschränkungen gibt es?
  • etc.

Darüber hinaus ist eine Recherche immer sinnvoll, um z.B. heraus zu finden, welche Ideen im relevanten Bereich schon entwickelt wurden (um nicht das Rad neu zu erfinden). Von erfolgreichen Ideen aus der Vergangenheit kann man immer auch lernen (Was wurde hier richtig gemacht?).

Wie bereitet man auf dieser Basis die Ideenentwicklung vor?

Kreativitätstechniken

Arbeiten mit Kreativitätstechniken

Arbeiten kreative Profis alleine, haben sie oft ihre eigene Methodik, wie sie am besten auf Ideen kommen und nutzen oft keine der bekannten Kreativitätstechniken. Andere haben aber auch solche Techniken als hilfreich entdeckt und nutzen sie.

Entwickelt man Ideen gemeinsam in Workshops (s.u.), ist es unerlässlich mit Kreativitätstechniken zu arbeiten. Grundsätzlich besteht jedoch bei InsightArt kein Zwang dazu, Kreativitätstechniken zu nutzen, wenn man es z.B. alleine durchführt oder in kleinen aufeinander abgestimmten Kreativteams (s.u.)

Vor- und Nachteile von Kreativitätstechniken und Tipps

Vorteile von Kreativitätstechniken

  • Kreativitätstechniken können dabei helfen, Denkschemata aufzulösen. Sie können dazu anleiten, das Denken in eine andere Richtung zu führen. Sie leiten z.B. dazu an, zwei Dinge, die sonst getrennt sind, zusammen zu denken (Kombinatorik) oder Zusammengehöriges getrennt. Sie helfen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen, indem man z.B. nach Analogien aus ganz anderen Bereichen sucht oder unterstützen, dass man Bekanntes mit einem anderen “fremden Blick” betrachtet etc.
  • Darüber hinaus kann es auch etwas nahezu Meditatives haben, sich zunächst streng an die Schritte einer Kreativitätstechnik zu halten, so als wären sie rituell. Das fördert den Flow, gerade weil es sich um das ständige Durchlaufen derselben Routinen handelt.

Entwickelt man im Team, haben die Techniken noch weitere Vorteile:

  • Die Entwicklungsarbeit wird synchronisiert, der gesamte Prozess wird strukturiert. Die Strukturierung erleichtert es, sich in der Gruppendynamik auf die Aufgabe zu konzentrieren (anstatt miteinander zu schwatzen)
  • Für Teilnehmer, die in kreativen Denkstrategien ungeübt sind, erleichtern sie den Entwicklungsprozess
  • Speziell für Workshops, die auf InsightArt basieren: Man kann die Techniken gezielt für die jeweilige Aufgabe konzipieren (s.u.)

Nachteile/Risiken von Kreativitätstechniken

  • In gewisser Weise können Kreativitätstechniken ein Widerspruch in sich sein. Neue Ideen bestehen oft darin, alte Regeln oder Dogmen zu brechen. Folgt man stur einer Kreativitätstechnik, verhält man sich jedoch sehr regelkonform und es ist fraglich, ob man mithilfe eines streng regelkonformen Verhaltens Regeln brechen kann
  • Kreatives Denken ist keinesfalls gleichzusetzen mit der Nutzung von Kreativitätstechniken. Es ist fraglich, ob Kreativitätstechniken das kreative Denken bewirken können (m.E. nein), oder nur Hilfsmittel zur Unterstützung sind. Sind sie nur Hilfsmittel, machen sie niemanden, der im kreativen Denken nicht geübt ist, kreativer. Sie sind also nicht dafür geeignet, kreatives Denken zu lernen oder zu üben
  • Kreative haben bereits eine kreative Haltung, bzw. ein kreatives Mindset und denken daher auch ohne Hilfsmittel schon kreativ. Die Nachteile der Kreativitätstechniken (geregelte Gebrauchsanleitungen) können dann eher hinderlich sein. Bieten Kreativitätstechniken für weniger kreative Denker eine Anleitung dazu, etwas weniger starr zu denken, sind sie im Vergleich zum flexiblen Denken von Kreativen zu starr und schränken daher ein

Tipps

  • Man sollte die Techniken nicht überbewerten und sie nicht zu streng nutzen – also nicht wie eine Anleitung zum Bombenentschärfen. Anderenfalls zwingt man sich in ein zu enges Denk-Korsett. Man sollte eher spielerisch und flexibel mit den Techniken umgehen, sie als zwangloses Angebot zur Inspiration neuer Denkmöglichkeiten betrachten
  • Vorteilhaft ist es immer, wenn man im Team zumindest ein paar kreative Profis dabei hat, die im kreativen Denken geübt sind. Hier muss man aber darauf achten, dass man sie nicht zu sehr in ein Regel-Korsett einzwängt, denn dann werden sie keine Ideen entwickeln können.
  • Man kann die Techniken als Angebot machen, aber immer frei stellen: Wer besser ohne diese Technik Ideen entwickeln kann, der muss sie nicht benutzen, kommen Sie mit einem der Schritte der Technik nicht zurecht, verändern Sie den Schritt einfach (letzteres kann man allerdings nur von Kreativen erwarten)

Umgang mit Kreativitätstechniken bei InsightArt

Konzipiert man Workshops, um Ideen zu entwickeln, bietet InsightArt einen großen Vorteil bei der Nutzung von Kreativitätstechniken.

Damit die Ideenentwickler auf der Basis der Insights Ideen entwickeln können, müssen sie zwangsläufig über die Ergebnisse der Forschungsstudie Bescheid wissen. Es reicht aber nicht, die Insights nur oberflächlich zu kennen. Kreatives Denken macht es nötig, über das Gegebene hinaus zu denken. Um über die Insights hinaus denken zu können, sollte man sie grundlegend im Gesamtkontext und in ihrem Wesen verstanden und am besten verinnerlicht haben. So kann man sich dann einerseits von ihnen lösen und sie dennoch als Grundlage im Hinterkopf behalten.

Problem

  • Muss jeder Teilnehmer an einem Workshop sich erst tiefgreifend in die Insights einarbeiten, kostet dies sehr viel Zeit und es soll ja möglichst effizient sein
  • Präsentiert man am Anfang eines Workshops die Insights sehr ausführlich, dann sind die Teilnehmer so mit Informationen zu geschüttet, dass sie sich nicht davon lösen können und zum kreativen Denken umschwenken können. Sie haben  die  Informationen noch nicht annähernd “verdaut”
  • Die kreativen Profis im Team, die von Außen kommen (keine Mitarbeiter des Unternehmens) sind zudem oft zu weit weg von der Thematik, dass sie sich nur schwer in die Forschungsergebnisse hinein denken können. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um für sie völlig uninteressante Informationen handeln kann, in die sie sich dann nur wegen eines einzigen Workshops aufwändig hinein arbeiten  müssten

Lösung des Problems

Mithilfe des Psychologischen Codes, der Farben des Umgangs und der Ideenschlüssel lassen sich die Insights in die kreative Fragestellung und die Kreativitätstechniken einbauen und zwar schon bei der Konzeption des Workshops. Die Ideenentwickler müssen die Forschungsergebnisse also gar nicht vorher kennen und entwickeln trotzdem Ideen, die auf den Insights basieren. Im Workshop unterstützen zudem die Personas und andere Visualisierungen und das Bildmaterial, das in der sinnlichen Forschung generiert wurde, beim sinnlichen “Einfühlen” in die Insights.

Im Menü “Kreativtechniken” findet man bereits Techniken, die speziell für den jeweiligen Ideenschlüssel konzipiert wurden. Sie müssen noch auf die spezielle kreative Fragestellung angepasst werden (Psychologischer Code und Farben). Darüber hinaus kann man aber auch selbst passende Techniken entwickeln, siehe dazu im Menü Kreativtechniken: Eigene Techniken entwickeln

Settings für Ideenentwicklung

Im Folgenden werden drei Vorschläge für mögliche Setting für Ideenentwicklung vorgestellt. Es sind darüber hinaus selbstverständlich auch andere Settings möglich oder es ist auch eine Mischung der Settings denkbar.

Co-Innovation Workshops

Ideenworkshops können eintägig oder mehrtägig sein. Man arbeitet in einem gemischten Team, z.B. aus Mitarbeitern des Auftraggeber-Unternehmens, der Werbeagentur des Auftraggebers, ggf. professionelle Kreative, die man eigens dafür rekrutiert.

Die Workshops sollten gut vorbereitet und geplant sein: z.B. Personas, Lebenswelt-Collagen, die Kreativtechniken inklusive das für die Durchführung benötige Material.

Der Moderator (besser sind zwei Moderatoren) sollte jeoch auch mit groben Abweichungen vom Plan zurecht kommen, denn diese stellen sich bei kreativer Arbeit meistens ein. Wichtig ist auch die Haltung der Moderation: Sie sollte deutlich machen, dass es sich um eine ARBEITS-Gruppe handelt und nicht um ein Spaß-Event zur Unterhaltung, auch wenn gerne Spaß dabei aufkommen darf.

Am besten fängt man mit der freien Ideenentwicklung an (Schlüssel Ideal-Fiktion), damit sich das kreative Denken frei entfalten kann. Dann grenzt man die Techniken immer mehr auf die konkrete Aufgabe ein, wobei die freien Ideen der Inspiration dienen.

Der größte Feind der Ideenentwicklung ist in Workshops das Aufkommen von Für- und Widerdiskussionen. Hier muss die Moderation i.d.R. am stärksten eingreifen.

Desk-Creation

Die Ideenentwicklung wird als Dienstleistung ohne Teilnahme von Mitarbeitern des Auftraggebers durchgeführt.

Zu Beginn des Prozesses steht ein ausführliches Briefing, in dem die Zielrichtungen und der Möglichkeitsraum mit dem Auftraggeber festgesetzt werden. Auf Basis der Forschungsergebnisse werden zunächst die möglichen Suchfelder mithilfe der Ideenschlüssel ausgelotet und dann Ideen entwickelt.

Der Ideenentwicklungsprozess wird hier ähnlich extern ausgelagert, wie bei der Beauftragung einer Werbeagentur. Man arbeitet hier konzentriert in einem vertrauten Team aus Kreativen an den Ideen und nutzt dabei den Vorteil, dass die Ideenentwicklung in einem solchen Team oft besser funktioniert als in allen anderen Settings. Der Nachteil ist, dass die Mitarbeiter des Unternehmens weniger stark involviert sind (siehe dazu auch oben). Das erfordert besonders gute Abstimmungsprozesse und Absprachen.

Zuerst werden die Ideen nur als grobe Entwürfe entwickelt. Von diesen werden vom Auftraggeber die passendsten ausgewählt, die dann im Detail weiterentwickelt werden. Man kann Workshop und Desk-Creation auch kombinieren, indem z.B. einzelne Mitarbeiter des Unternehmens eng in den Prozess eingebunden sind und teils an der Ideenentwicklung teilnehmen.

Consumerfit-Gruppen

Es handelt sich dabei um Aktivgruppen mit Konsumenten zur Angebots-Evolution, also nur im inkrementellen Schlüsselbereich. Sie eignen sich für Angebote (Produkte / Produktgruppen / Designs / etc.), die bereits positiv von den Konsumenten aufgenommen werden, also erfolgreich sind und keine grundlegenden psychologischen Probleme aufweisen.

Da es hier nur um kleinere Anpassungen geht, kann man in diesem Fall die Nachteile, die das Ideenentwickeln mit Konsumenten hat (siehe oben) vernachlässigen, um den Vorteil zu haben, direkt Feedback von den Konsumenten zu erhalten.

Die Workshops verfolgen das Ziel, die Angebote aufzufrischen, zu optimieren, oder Ideen für zusätzliche Produktvariationen zu sammeln (z.B. neue Geschmacksrichtungen für ein Lebensmittel-Produkt). Oder es werden Ideen zur besseren Anpassung an geänderte Verwendungs-Situationen entwickelt (z.B. Lebensmittel-Verpackungen und ihre Eignung für die Mikrowelle), oder z.B. Vorschläge für die behutsame Modernisierung des Verpackungs-Designs eines Angebots entwickelt.

Die Ideen sollten im Anschluss immer noch mit dem psychologischen Code abgeglichen werden, da auch hier die Gefahr besteht, dass z.B. aus Gründen der sozialen Erwünschtheit oder anderen Gründen (s.o.: Co-Creation) keine brauchbaren Ideen entwickelt wurden.

Vor- und Nachteile verschiedener Formen der Ideenentwicklung

Viele Profi-Kreative würden die Aussage unterschreiben, dass sie Ideen lieber alleine entwickeln: Man kann sich besser konzentrieren (kommt leichter in den “Flow”, siehe auch Studie zur Psychologie der Kreativität), wird nicht von anderen abgelenkt, kann die Schritte durchführen, die man für richtig hält und in der Zeit, die man dafür benötigt, ohne sich mit anderen abstimmen zu müssen etc. Entwickeln Erfinder oder Designer Ideen, sind dies oft sehr individuelle Prozesse. Das kann dazu führen, dass alleine bessere Ideen entstehen.

Optimal ist auch ein vertrautes, am besten interdisziplinäres Team (z.B. ein Team von Entwickler-Kollegen oder Mitgliedern einer Musik-Band). Die Mitglieder des Teams sind aufeinander eingespielt und können sich positiv ergänzen und ggf. auch ein regelrechtes “Dream Team” sein (z.B. einer komponiert die Songs, ein anderer ist ein guter Texter).

Ideenentwicklungs-Meetings oder Workshops (vorkonzipierte und moderierte Ideenentwicklung), vor allem gemeinsam mit den Mitarbeitern des Unternehmens/der Organisation, haben viele Vorteile.

Vorteile

  • Die Forschungsergebnisse (psychologischer Code etc.) werden den Mitarbeitern nicht frontal präsentiert (in das eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus), sondern sie arbeiten aktiv damit und werden daher besser reflektiert.
  • Oft haben solche Workshops eine zündende Funktion und setzen etwas nachhaltig in Bewegung mit der nötigen Inspiration, weiter zu machen. Der Workshop dient als Initialzündung für weitere Entwicklungsprozesse.
  • Entwickeln Teilnehmer aus verschiedenen Abteilungen gemeinsam, werden sie dadurch nicht nur auf denselben Stand gebracht, sondern inspirieren sich gegenseitig, bringen ihre Fachperspektive ein und bedenken bereits die verschiedenen Notwendigkeiten der jeweiligen Abteilungen.
  • Sie schaffen gemeinsame Werke, auf die man gemeinsam stolz ist. Das schweißt zusammen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass auch später bei der Weiterentwicklung / Ausarbeitung / Realisation der Ideen besser abteilungsübergreifend zusammen gearbeitet werden kann. Ein Ideen-Entwicklungs-Workshop ist daher auch immer gleichzeitig eine Art Teamtraining.
  • Man scheitert nicht daran, nicht zu wissen, wie man die Theorie in die Praxis umsetzen kann, da man die Praxis im Workshop schon ein Stück weit eingeübt hat und bei der Weiterentwicklung auf dort erlernte Techniken zurückgreifen kann.
  • Für Teilnehmer, die in kreativer Ideenentwicklung eher ungeübt sind, sind Konzeption, geregelter Prozessablauf und Moderation hilfreich, um die für sie eher unbekannte Aufgabe der Ideenentwicklung zu bewerkstelligen. Sie müssen ein wenig an die Hand genommen (“betreut”) werden.
  • Damit die Veranstaltung auch als Teamleistung erlebt wird (mit o.g. Vorteilen), wirken Konzept, geregelter Prozessablauf und Moderation unterstützend. Sie geben einen Rahmen, eine Art Gesamtchoreografie und sorgen dafür, dass es nicht in ein chaotisches Nebeneinander oder gar Gegeneinander zerfällt.

Man kann auch zu den Workshops Außenstehende hinzuziehen, z.B. Profikreative oder Mitarbeiter der Dienstleister, z.B. aus der Werbeagentur, mit der man zusammenarbeitet, Zulieferer oder Kooperationspartner.

Nachteile

  • Es handelt sich um eine Art “betreutes Ideenentwickeln” (Konzept, durchgeplanter Ablauf, vorgegebene Kreativtechniken, Moderation) und die Teilnehmer sind in ihrer methodischen Freiheit, Zeiteinteilung etc. eingeschränkt und müssen sich an das Konzept anpassen und akzeptieren, dass die Moderation Vorgaben macht und Regeln eingehalten werden müssen. Das kann besonders für Profi-Kreative, die ihre eigene Art der Ideenentwicklung haben, hinderlich sein.
  • Die Gruppendynamik kann störend sein, da die Aufmerksamkeit der Teilnehmer mehr auf ihre Rolle in der Gruppe gerichtet ist, als auf die Aufgabe, Ideen zu entwickeln.
  • Nicht alle Teilnehmer haben ein gleich großes Interesse an kreativer Ideenentwicklung oder am Thema. Während die einen sich euphorisch bemühen, besonders quer zu denken, werden sie von anderen, die eher Bedenken gegenüber Neuem und Ungewöhnlichem hegen, gebremst.
  • Teilnehmer verschiedener Abteilungen eines Unternehmens haben eine andere Sichtweise auf das Thema, für das Ideen entwickelt werden soll. Das führt oft zu Diskussionen, die den Ideenentwicklungsfluss behindern und den Prozess aufhalten.

Je nach Ziel und Zusammensetzung der Teilnehmer (wie sehr sind z.B. die Teilnehmer in der kreativen Ideenentwicklung geübt), können Workshop-Konzepte auch sehr verschiedenartig sein. Man kann sie offener gestalten, wie z.B. in “Open Space“- Veranstaltungen oder “Hackathons” üblich. Hier moderieren sich die einzelnen Teams selbst, entscheiden selbst über die Vorgehensweise, z.B. Verwendung von Kreativitätstechniken, werden also nicht moderiert. Bei Open Spaces entscheiden die Teilnehmer oft sogar über die Themen, zu denen Ideen entwickelt werden, selbst.

Es sollte also von Fall zu Fall entschieden werden, wie sehr im Workshop moderiert wird und wie detailiert die Prozesse vorab konzeptionell festgelegt werden, oder die Teilnehmer den Ablauf frei gestalten und nur die übergeordneten Prozesse konzipiert und moderiert werden. Besonders wenn man den Workshop in einem festen kreativen Team durchführt (z.B. Designer einer Werbeagentur), ist es besser, wenn sich die Moderation auf die methodischen Vorlieben des Teams einstellt oder den Workshop mit ihnen gemeinsam konzipiert.

Es können auch Konsumenten in die Ideenentwicklung mit einbezogen werden (Co-Creation). Damit wird teilweise versucht, Marktforschung und Ideenentwicklung aus Effizienzgründen in Einem zusammen zu bringen. Dabei wird auch der Vorteil gesehen, dass Ideen, die direkt von Konsumenten stammen, die Konsumentensicht bereits beinhalten und daher auf höhere Akzeptanz stoßen. Handelt es sich um z.B. Sozialinnovationen mit Bürgerbeteiligung, liegt bereits das Positive in der Möglichkeit demokratischer Mitgestaltung von Bürgern. Man kann hier mit Methoden wie “Open Space” arbeiten (siehe oben), die auch offen in der Bestimmung der Problemfragen sind.

Auch Unternehmen, die Co-Creation mit Konsumenten einsetzen, haben oft die verbesserte Kundenbeziehung, also PR im Sinn, indem sie diese in eine Entwickler-Community einbinden und sich damit ein nahbares, kundenzentriertes und kooperatives Image geben. Ist nicht eindeutig, ob es sich eher um PR oder Ideenentwicklung handelt, kann das jedoch Unmut erzeugen, wenn die Konsumenten merken, dass das Unternehmen eigentlich kein echtes Interesse an ihren Ideen hat.

Co-Creation mit Konsumenten ist mit Vorsicht zu genießen und oft nicht ratsam, bzw. nur ergänzend als EINE Quelle von Ideen, vor allem, wenn es sich um psychologisch relevante Innovationen handelt. Dann sind Konsumenten nicht unbedingt die besten Ideengeber:

  • Die psychologischen Motive für Kauf und Verwendung eines Produktes sind den Konsumenten größtenteils nicht bewusst Sie können daher keine Ideen bezogen auf die psychologischen Motive entwickeln
  • Sind den Konsumenten ihre eigenen Wünsche unangenehm bis peinlich, kann es auch sein, dass sie nur sozial erwünschte Ideen nennen
  • Zum zurückhaltenden Verhalten trägt auch erschwerend bei, dass sie sich nicht in einem vertrauten Team befinden und bei ungewöhlichen Ideen Angst haben, sich zu blamieren
  • Ideen, die später faszinieren, können anfangs auch beängstigen oder überfordern und werden daher abgelehnt

Weitere Nachteile

  • Konsumenten sind i.d.R. keine kreativen Profis, die im Denken ungewöhnlicher Möglichkeiten geübt sind
  • Vorstellungsvermögen und leidenschaftliches Interesse am Thema – beides wichtig für den kreativen Flow – können nicht voraus gesetzt werden
  • Sind die Konsumenten mit dem Bestehenden zufrieden, fehlt die Motivation, über Ideen nachzudenken
  • Nicht die Konsumenten, sondern das Unternehmen steht unter Innovationsdruck! Hohes Engagement kann man daher auch nicht voraussetzen (nicht selten wird in Co-Creation-Gruppen von den Teilnehmern die Frage gestellt, warum sie denn für lau für das Unternehmen Ideen entwickeln sollen. Das Engagement kann also sogar in eine Abwehrhaltung umkippen und die Teilnahme an der Ideenentwicklung wird dann sabotiert)
  • Ideen entstehen oft auf der Basis einer langen und intensiven Beschäftigung mit einem Thema (s.u.: Zeitbedarf) und brauchen lange für die Entwicklung. Die Konsumenten beschäftigen sich nur kurz und oberflächlich damit
  • Sog. “Leaduser” sind zwar ggf. informierter und engagierter. Sie sind aber nicht repräsentativ für die Masse der Konsumenten
  • Hat man kreative Konsumenten in der Gruppe (z.B. aus kreativen Berufen), profilieren sie sich ggf. mit besonders pfiffigen oder witzigen Ideen, die dann jedoch nichts mehr mit ihrer Rolle als Konsumenten zu tun haben

Konklusion

Für kleinere Produktverbesserungen und Variationen kann Co-Creation gut funktionieren. Da immer und überall (auch zufällig) gute Ideen entstehen können, ist auch der Erfolg von Co-Creation nicht ausgeschlossen. Es gibt jedoch keine Garantie, denn die Bedingungen sind nicht optimal.

Crowdsourcing

Crowdsourcing wird oft über Internetplattformen durchgeführt.

Vorteile

  • Man hat Zugriff auf eine große Menge an Ideenentwicklern. Das kann die Chance erhöhen, viele verschiedene Ideen zu erhalten
  • Online ist es sehr flexibel. Man muss keinen Workshop organisieren
  • Es ist anonym, sodass sich die Teilnehmer auch zur Nennung von ungewöhlichen Ideen trauen können

Nachteile

Viele Nachteile sind dieselben wie beim Co-Creation (siehe dort), hinzu kommt:

  • Man weiß noch weniger, ob die Teilnehmer sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben
  • Quantität ist nicht Qualität: Nur weil mehr Ideengeber teilnehmen, müssen die Ideen nicht vielfältiger sein
  • Die große Menge an Ideen macht das Auswahlverfahren langwierig
  • Nachteil der Anonymität: Ob die Ideengeber ihre Ideen ernst meinen, dem Unternehmen mit absichtlich schlechten Ideen sogar schaden wollen oder sie sich nur einen Spaß machen (Stichwort: Crowdslapping, siehe auch das Crowdsourcing-Debakel um “Pril Brathähnchen”), ist fraglich
  • Lässt man die Ideen auch direkt per Voting bewerten (oft üblich), gewinnt dann die Idee von demjenigen, der die meisten Facebook-Freunde zum Voting mobilisieren kann und nicht die beste

Konklusion

Grundsätzlich kann man natürlich versuchen, schon vorhandene Ideen “abzugreifen” und das Sammeln von Ideen ergänzend einsetzen. Es ersetzt jedoch nicht die gezielte und systematische Ideenentwicklung. In Anbetracht des großen Aufwandes der Auswertung der vielen Ideen (ohne Garantie, dass sich etwas Brauchbares im “Heuhaufen” findet), ist fraglich wie effizient Crowdsourcing ist und ob sich der Aufwand für die vielleicht ein oder andere interessante Idee wirklich lohnt.

Erfährt man davon, welche geniale Idee ein Erfinder geschaffen hat, gibt es selten eine Angabe dazu, wie lange die Ideenentwicklung gedauert hat. Sie geht oft über mehrere Entwicklungsphasen und kann mitunter Monate bis Jahre dauern (so musste, wie es heißt, Edison erst 999 Möglichkeiten finden, die nicht funktionierten, bis er die Lösung hatte). Gute Ideen lassen sich nicht aus dem Hut zaubern.

Bei heutigen kurzen Innovationszyklen muss die Ideenentwicklung natürlich schneller gehen. Mit InsightArt lässt sich aufgrund ihrer Systematik die Ideenentwicklung forcieren, da überflüssige Versuch- und Irrtum-Schleifen vermieden werden – wenn auch nicht beliebig abkürzen: Es gilt immer gut zu überlegen, an welchen Stellen man den Prozess beschleunigen kann und an welchen eine Beschleunigung dazu führt, dass die Qualität der Ideen leidet.

Der konkrete Zeitbedarf hängt von vielen Faktoren ab – und davon, wieviel Zeit man sich geben kann und möchte. Eine Forschungsstudie kann bereits nach 2-3 Wochen (oder manchmal auch schneller) zu guten Ergebnissen führen und die Ideenentwicklung in wenigen Tagen bereits Insight-basierte Lösungen liefern. Manchmal – wenn wirklich nachhaltige Innovationen entwickelt werden sollen – ist eine aufwändigere Forschungsstudie notwendig (und am Ende effizienter!), eine gründliche Aufbereitung der Ergebnisse und des Materials sinnvoll, sowie eine Durchführung von mehreren Innovations-Workshops mit Teilnehmern aus allen Unternehmensbereichen zielführender. Der Prozess kann (oder muss) sich daher auch manchmal über mehrere Monate erstrecken (oder auch länger).