Techniken für Ideal-Fiktion

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Kreativtechniken für den Ideenschlüssel: Ideal-Fiktion

Der Schlüssel Ideal-Fiktion dient als Joker für die Entwicklung völlig freier Ideen, die auch unmöglich, völlig utopisch oder sinnlos sein dürfen. Eine völlig freie Ideenentwicklung ist manchmal notwendig, um das Denken aus dem gewohnten Horizont zu befreien. Im kreativen Entwicklungsprozess bieten sich die Techniken dieses Schlüssels als Zwischenschritt an, um in den Denkmodus des spielerischen Experimentierens eintauchen zu können.

Im Vergleich zu den Aufwärmtechniken beziehen sie sich thematisch schon auf die Aufgabe, sodass die dabei entstehenden Ideen für eine spätere gezielte – und realistischere Ideenentwicklung – als Inspirationsgrundlage genutzt werden können. Man kann die unrealistischen Ideen, die bei der Ideal-Fiktion entstanden sind, am Ende der Durchführung auf realistische Ideen herunter brechen oder man kann dann auch mit einer der anderen Ideen-Schlüssel weiter verfahren. Oft entspricht der erste Schritt aus den Techniken zu den anderen Schlüsseln ebenfalls der Ideal-Fiktion.

Bei der Ideal-Fiktion kann man sich auch bezüglich der Farben des Umgangs (siehe Farben des Umgangs im Menüpunkt: Analyse) Umgangsformen / Farben ausdenken, die es gar nicht gibt (da es schwierig ist, sich Farben vorzustellen, die es nicht gibt, sollte man sich hier vom Farbsystem verabschieden). “Schräge” Umgangsformen kann man aber viele erfinden, z.B.: Menschen kaufen Produkte, um sie weg zu werfen, weil sie diese Produkte hassen und mit dem Wegwerfen dafür sorgen, dass weniger Produkte auf der Welt existieren (ist übrigens weniger abwegig, als es scheint, denn es kommt öfter vor, dass Unternehmen Patente kaufen, um deren Realisation zu verhindern).

Es passiert aber auch immer wieder, dass aus solchen freien Ideenentwicklungs-Prozessen geniale Ideen entstehen, so wie gute Ideen auch zufällig entstehen können oder aufgrund eines Fehlers. Diese Chance sollte man sich nicht nehmen, aber mit dem Bewusstsein, dass diese Ideen noch sorgfältig überprüft werden müssen, auch in Bezug darauf, ob der Konsument sie ebenfalls für genial hält.

Die Techniken werden im Laufe der Zeit noch erweitert. Es lohnt sich also, ab und zu hier vorbei zu schauen!

Superheld

Die Technik lebt von ihren maßlosen Übertreibungen mit deren Hilfe man sein kreatives Denken erweitert. Die neue Idee ist hier nichts Geringeres als der Retter der Welt.

Zuerst werden die problematischen Seiten der bestehenden Produkte oder Lösungen so überzogen, dass es am Ende zum Untergang der Welt oder zumindest zum Aussterben der Menschheit führt (ein echter Thriller!). Da ja bekanntlich der Flügelschlag eines Schmetterlings in China einen Orkan in den USA auslösen kann – laut Chaosforschung, sind der Fantasie hier keine Grenzen gesetzt. Es werden zunächst verschiedene Katatrophen-Szenarien gesammelt …

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Die neue Idee soll nun der Superheld sein, der die Welt vor dem Untergang rettet. Es wird überlegt, was der Superheld dafür können müsste und welche besonderen Charaktereigenschaften er haben müsste. Aus den Fähigkeiten und Eigenschaften des Superhelden werden zuerst abstrakte Ideen entwickelt: Wie müssen die Ideen sein, um ein Superheld zu sein, z.B.: Der Held muss unverwundbar sein oder er muss sich in eine kleine Maus verwandeln können, oder sich unsichtbar machen können etc.

Im nächsten Schritt werden die abstrakten Ideen auf konkrete herunter gebrochen bezogen auf die konkrete Aufgabe: Was müsste ein neues Produkt oder eine neue Strategie können, um Superheld zu sein? Dazu muss zuerst überlegt werden, was denn bei dieser z.B. Produktkategorie “unverwundbar”, “verwandelbar” oder “unsichtbar” konkret bedeuten könnte. Das sind dann die konkreten Ideen. Da man diese konkreten Ideen weit her geholt hat, kann hier natürlich vorkommen, dass sie dann doch nichts mehr mit der psychologischen Grundstruktur der Ausgangslage zu tun haben und sie daher ggf. nicht zur Aufgabe passen. Hier muss man also noch (sehr) kritisch aussortieren mit welchem Ideenansatz man weiter arbeitet.

Bei dieser Technik muss, wenn es sich ursprünglich um ein Produkt handelte, das Ergebnis nicht ebenfalls ein Produkt sein. Es darf auch sein, dass die Lösung dann eine Dienstleistung ist oder eine andere Art der Vermarktung des Produktes. Es kann auch sein, dass man eine Lösung entwickelt für ein ganz anderes Problem oder ein Problem, das es noch gar nicht gibt.

Dunkle Mächte

Bei dieser Technik geht man von einer Dystopie aus (negative Utopie). Die Technik lebt von ihren maßlosen Übertreibungen. Ausgangslage: Die Welt wird von dunklen Mächten bedroht. Es kann sich dabei aber auch um Naturkatastrophen handeln, die von der Menschheit nicht frühzeitig erkannt und verhindert wurden etc.

Dazu werden zunächst Geschichten entwickelt, gerne auch mit Illustrationen angereichert. Die Geschichten sollten allerdings nicht völlig beliebig sein, sondern sich auf  die Grundstruktur beziehen. Teilweise grassieren solche Geschichten schon. So nennt man Menschen, die nur noch auf ihr Smartphone starren auch “Smombies”, eine Wortmischung aus “Smartphone” und “Zombie”. Zum Thema Gesundheitsprodukte, die auch immer etwas mit dem Thema Altern zutun haben, könnte man sich auch an Filmen wie “Soylent Green” orientieren etc.  …

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Es werden dann passend zu den Geschichten absurde Verschwörungstheorien entwickelt, wer oder was an der Katastrophe Schuld sein könnte. Wie konnte es soweit kommen? Was lief schief, hat Überhand genommen, sich verselbständigt oder was wurde versäumt, um die Katastrophe zu vermeiden? Dann werden – gerne ebenso absurde – Ideen entwickelt, mit denen man die dunklen Mächte bekämpfen könnte, oder die Katastrophe wieder beseitigen könnte.

Als nächstes werden die Verschwörungen nach ihrem Wahrheitsgehalt untersucht. Auch wenn nicht wirklich außerirdische Viren verantwortlich sind, könnte in der Bezeichnung „Viren“ durchaus ein wahrer Kern liegen im übertragenden oder symbolischen Sinn. Die Geschichten werden danach ausgewählt, wie hoch oder zumindest interessant ihr Wahrheitsgehalt ist. Um konkrete Ideen zu entwickeln, bricht man das übertriebene Szenario wieder mehr auf die reale Situation herunter und entwickelt aus den utopischen, absurden Lösungen für die Bekämpfung der dunklen Mächte, praktikable Ideen.

Menschheitsträume

Ausgangsbasis sind die großen Menschheitsträume: unsterblich sein, nicht mehr arbeiten müssen, Schlaraffenland etc. Hier kann man sich auch aus Science Fiction Filmen oder Büchern Anregungen holen und aus z.B. den Fotos aus solchen Filmen oder auch Konstruktionszeichnungen von fantastischen Ideen, die nie verwirklicht wurden.

Man überlegt zunächst, welche der Menschheitsträume sich mit dem psychologischen Code des Themas / der Produktgruppe in Verbindung bringen lassen und denkt den psychologischen Code ggf. extremer, wenn er zu banal für einen Menschheitstraum ist. Man kann hier auch im Zweifel Scheinkorrelationen schaffen, also den Code auf die verschiedenen Menschheitsträume beziehen mithilfe von “Was wäre, wenn”- Formulierungen, z.B.: Was wäre, wenn ein Besen ein Gegenstand zum Erhalt des ewigen Lebens wäre …

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Als nächstes überlegt man Ideen, wie sich der Traum mithilfe der Produktgruppe erreichen ließe. Die Ideen dürfen auch gerne absurd sein, wissenschaftlich völlig unhaltbar, also im Reich der Märchen angesiedelt. Die interessantesten Ideen sollten – um sie lebendiger zu machen – als kurze Szenen-Beschreibungen ausgearbeitet werden, gerne in der Art von SF-Literatur. Als Protagonist der Geschichte kann man die Persona nehmen.

Man kann hier noch einmal eine Recherche zwischen schalten, um zu erfahren, was heute wissenschaftlich vielleicht schon möglich ist und was man so nicht vermutet hätte. Im letzten Schritt listet man aus der Geschichte zuerst die Dinge auf, die sich keinesfalls realisieren lassen. Hierfür muss man realistischere Alternativ-Ideen finden (siehe auch Schlüssel “Alternative”). Für andere problematisch erscheinende Komponenten lassen sich vielleicht Lösungen finden (siehe auch Schlüssel “Optimierung”).

Am Ende erzählt man die Geschichte noch einmal neu in einer Form wie sie sich verwirklichen lässt und listet konkret auf, was an der Produktgruppe / am Angebot genau verändert werden muss.

Zeitmaschine

“Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. …”

Wir begeben uns in die Zeitmaschine und reisen in die Zukunft. Wir können aber auch zuerst in die Vergangenheit reisen und überlegen, wie sich die Zukunft anders weiter entwickelt hätte, wenn in der Vergangenheit Dinge anders gelaufen wären (als Zeitreisender hätte man eingreifen können), z.B. wie in dem Buch “Die Differenzmaschine”, das davon ausgeht, dass Charles Babagge 1832 mit dem Bau seiner Differenzmaschine (Computer auf Basis von Lochkarten) Erfolg gehabt hätte und sich schon damals die Computertechnologie entwickelt hätte.

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Man sollte sich bei dieser Technik auch schamlos in der Science Fiction Literatur bedienen, um hier Ankerpunkte zu haben, an denen man ansetzen kann. Was ist z.B. mit dem Holodeck, der Matrix oder dem Minority Report, dem Terminator, den Jedi Rittern, Otherland oder Big Brother? Es ist bei dieser Technik also sehr günstig, wenn man hier Leute im Entwicklerteam dabei hat, die eine Affinität zu Science Fiction haben.

Interessant ist auch die zweite Option: Was wäre anders verlaufen, könnte man in die Vergangenheit reisen, um die Gegenwart und Zukunft zu verändern (abgesehen von der möglichen Gefahr von Zeitbeben)? Hier werden Ideen entwickelt, wie man entweder etwas Negatives hätte vermeiden können, oder etwas Positivem zur Realisation verhelfen. Dadurch erhält man Hinweise, wie man sich in der Gegenwart verhalten muss, um eine – wenn alles so funktioniert wie geplant – positive Zukunft zu erhalten.

Auf Basis der Science Fiction Geschichten (es dürfen natürlich auch eigene / selbst ausgedachte Science Fiction Szenarien sein!), überlegt man, was das jeweilige Szenario für das Thema, für das man Ideen sucht, bedeuten könnte. Welche Konsequenzen hat der Warp-Antrieb, das Beamen oder die Besiedelung fremder Planten für das eigene Angebot? Am besten bleibt man an dieser Stelle noch erzählerisch und beschreibt eine kurze SF-Geschichte, die auch gerne spannend sein darf.

Im nächsten Schritt sortiert man ein wenig aus. Der Warp-Antrieb hat möglicher Weise wenig Einfluss auf ein Lebensmittelprodukt, oder doch? Man merkt die Passung auch schnell daran, ob einem eine in sich plausible Geschichte zum jeweiligen SF-Phänomen und dem eigenen Angebot einfällt. Man nimmt die Geschichten in den Fokus, die tatsächlich den Stoff für eine SF-Geschichte, bezogen auf das eigene Angebot, bieten können. Diese schmückt man dann weiter aus:

  • Was genau bedeutet es für das Angebot?
  • Was genau braucht der Konsument in der neuen Situation?
  • Wie müsste sich das Angebot an die neue Situation anpassen?
  • Wie wird im SF-Szenario das eigene Produkt hergestellt und vertrieben, oder ist das Produkt selbst völlig überflüssig geworden?
  • etc.

Im letzten Schritt kann man etwas realistischer werden und die Szenarien heraus filtern, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben. So ist das Beamen eher unwahrscheinlich, Big Brother aber durch Big data eigentlich schon Realität. Man kann nun noch versuchen, ganz konkrete Ideen für das eigene Angebot aus den SF-Szenarien zu entwickeln und sich dabei auch die Techniken der anderen Schlüssel zur Hilfe nehmen (z.B.: Nimmo Alternative, mit der man die Vorteile der SF-Situation mit der heutigen Situation vergleicht).

So simple!

So einfach wie ein Knäckebrot (aber nicht so dumm wie ein Toastbrot!).

Hier geht es um die Entwicklung einer Welt, in der alles – bezogen auf das Thema und den psychologischen Code – ganz einfach ist und fast mit einem Fingerschnipp wie von selbst funktioniert.

Wenn möglich, könnte man hier auch vorab ein Co-Creation mit Kindern durchführen, denn als Erwachsener ist man oft schon von zu kompliziertem Denken versaut und kommt nicht mehr auf völlig banale – wenn auch unrealistische – Ideen (aber wir sind hier im Schlüssel Ideal-Fiktion, unrealistisch ist hier völlig ok).

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“Zaubern” liegt hier immer sehr nah, hilft aber für die Ideenentwicklung leider meist wenig weiter. Zunächst sollte man sich die Produktgruppe anschauen und sich fragen, in welchem Supersystem (oder auch verschiedenen Supersystemen) diese liegt. Ein Supersystem wäre z.B. sowohl bei einem Smartphone als auch bei allen Messenger-Apps die “Kommunikation”.

Ein Smartphone befindet sich aber auch noch in anderen Supersystemen, weil man es nicht nur zum Kommunizieren nutzt, z.B. das Supersystem “Unterhaltung” oder auch “Stimmungsmodulation”, weil oft der Grund für das Hören von Musik oder Schauen von Filmen nicht einfach nur Unterhaltung ist, sondern der Wunsch, sich selbst in eine bestimmte Stimmung zu versetzen. Hier hilft es auch, sich den psychologischen Code zu betrachten, um heraus zu finden, um welches Supersystem es sich vorrangig handelt. (Mehr zum Thema Supersystem findet man auch bei der Technik “Futurisierung” unter: Techniken für Metapolation).

Simple im Supersystem

Man sammelt als nächstes Ideen, was denn “simple” für das jeweilige Supersystem sein könnte, z.B. für Kommunikation. Hier muss man zuvor aber noch überlegen, um was es alles bei der Kommunikation geht, z.B. um die Übertragung auch über große Entfernungen. Es geht aber auch um die Verständlichkeit oder auch darum, welche Menge und Qualität an Infos übertragen wird. Es könnte auch darum gehen, dass man mit mehreren gleichzeitig kommunizieren kann etc.:

  • Gedankenübertragung
  • eine Art Wurmloch für Kommunikation: Man nennt den Namen desjenigen, mit dem man kommunizieren möchte, oder ein Codewort, spricht einfach und die Sprache wandert – ohne irgendein Gerät, durch eine Art Wurmloch direkt ins Ohr des Gesprächspartners.
  • Eine direkte Sprachübersetzung, die nicht nur verschiedene Sprachen übersetzt, sondern z.B. auch die unverständliche Fachsprache des Senders in eine einfach verständliche Sprache für den Empfänger übersetzt oder in einem diplomatischen Gespräch oder einem Verkaufsgespräch wird es gleich in die richtige Art der Rethorik übersetzt oder eine Liebesnachricht direkt in eine romantische Sprache.
  • eine Art Steno-Sprache, bei der schnell eine große Menge kommuniziert werden kann.
  • etc

Man kann sich für die Ideenentwicklung auch Anregungen über Analogien holen, indem man sich fragt (siehe auch die Technik “Krasser” aus Techniken für Konzentration / Expansion):

  • Was ist das Simpelste auf der ganzen Welt (oder in verschiedenen anderen Bereichen) und wie kann man die Eigenschaften davon auf das Thema übertragen?
  • Wer oder was steht für extrem Simples? Wo auf der Welt ist es am simpelsten?
  • Wenn etwas als “simple” bezeichnet wird, wie könnte es dann aussehen? (zahlt vor allem auf das Design ein, wenn es um ein Thema geht, bei dem auch das Design wichtig ist)
  • In welchen Bereichen wurde bereits etwas simpler gemacht (z.B. Robotik oder Digitalisierung) und kann man die Art und Weise, wie es dort simpler gemacht wurde, auf das Thema übertragen?
  • etc.

Um so richtig ins “Rumspinnen” einzutauchen, kann man hier eine kleine Science-Fiction-Welt aufmachen und z.B. ausführlich in einer kleinen Erzählung beschreiben, wie in der neuen simplen Welt der Kommunikation das Kommunizieren vonstatten geht. Hier kann man das Team auch aufteilen, sodass jeder eine der Ideen in einer solchen Erzählung ausschmückt, gerne auch mit Skizzen. Es kann auch ähnlich eines Zeitungsartikels aus der neuen simplen Welt formuliert werden.

Gedankenübertragung ist (noch) nicht realisierbar. Man versucht nun im nächsten Schritt – inspiriert von der Gedankenübertragung – Ideen zu finden, die in die Richtung gehen, aber realisierbar sind. Hier ist man dann aber schon im Schlüssel Optimierung oder auch Alternative. Man kann hier z.B. mit den “Problembehandlungen” (siehe Techniken zum Schlüssel Optimierung) weiter vorgehen.

Darüber hinaus würde diese Möglichkeit nicht unbedingt von allen Menschen begrüßt werden. Um letzterem Genüge zu tun, kann man sich noch einmal den psychologischen Code genauer vornehmen und kann hier ebenfalls – mit dem psychologischem Code als Blaupause – mit der Technik “Problembehandlungen” oder anderen Techniken für Optimierung oder Alternative weiter vorgehen.

Grenzenlos

Was wäre, wenn es alle Beschränkungen und Begrenzungen auf der Welt nicht gäbe. Gäbe es z.B. keine Schwerkraft, könnte man schweben. Würde der zweite Hauptsatz der Thermodynamik nicht gelten, könnte man ein Perpetuum Mobile erfinden. Oder was wäre, wenn der Mensch unsterblich wäre und auch nicht altern würde?

Zuerst listet man bei dieser Technik solche allgemeinen “Was wäre, wenn” – Ideen auf (siehe oben, also mehr davon), zunächst ungeachtet des jeweiligen Themas der Ideenentwicklung. Im zweiten Schritt bewegt man sich mehr zum (übergeordneten) Thema hin und formuliert – anhand typischer Grenzen zum Thema – weitere “Was wäre, wenn” Sätze.

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Beispiel: Wenn es beim Thema um ein Medikament geht und das übergeordnete Thema also die Medizin ist, könnte man fragen: “Was wäre, wenn Körperteile nachwachsen würden?”, “Was wäre, wenn man Medizin über die Luft einatmen könnte”, etc.

Im nächsten Schritt nimmt man die Produktgruppe selbst als Referenz für Ideenentwicklung (man kann hier mit Brainstorming oder Brainwriting vorgehen), z.B.: Was für ein Medikament könnte man entwickeln, …

  • wenn es keine Schwerkraft gäbe?
  • wenn es keine Gravitation gäbe?
  • wenn der Mensch unsterblich wäre?
  • wenn Körperteile nachwachsen würden?
  • etc.

Es machen nicht immer alle Fragen gleichfalls Sinn, bzw. regen gleichsam stark zur Ideenfindung an, z.B. wenn der Mensch ohnehin unsterblich ist, braucht man ja vielleicht keine Medizin mehr.

Gefühl für die grenzenlose Welt bekommen

Damit die Ideenentwicklung leichter fällt, kann es hilfreich sein, sich zu jeder Fragestellung eine kleine Collage oder Mindmap anzulegen, in der man noch mal genau aufschlüsselt, was denn z.B. Schwerelosigkeit genau bedeutet. Man kann hier Fotos oder Skizzen von schwerelosen Astronauten einfügen. Interessant zum Thema Schwerelosigkeit sind auch die kleinen Filmchen der ISS-Astronauten, in denen sie vorführen, wie man sich in der Schwerlosigkeit wäscht, aufs Klo geht, oder sich ein Brot mit Erdnussbutter schmiert. Man bekommt dann ein besseres Gefühl für die jeweilige grenzenlose Welt und sieht viel Anregendes für neue Ideen.

In der nächsten Ideenrunde versucht man die Ideen realistischer werden zu lassen. Am Beispiel eines Smartphones und fehlende Schwerkraft kann das dann z.B. so aussehen:

Ausgehend von der phantastischen Ideen entwickelt man Ideen, wie man z.B. die Schwerkraft tatsächlich oder (realistischer) quasi oder zumindest ein Stück weit aushebeln kann (z.B. durch Erzeugen eines Vakuums oder Füllen mit Heliumgas). Oder wie man sie zumindest abmildern (z.B. Smartphone viel kleiner und Bild auf Wand projizieren), oder umgehen könnte, bzw. etwas so gestalten könnte, dass die Schwerkraft dafür gar keine Rolle spielt (z.B., indem man Telekommunikation so organisiert, dass gar kein Gerät mehr nötig ist, das ein Gewicht und eine Masse hat).

Hilfreich bei der Ideenentwicklung kann hier sein:

  • Sprachliche Verbindung schaffen: das Thema mit einer entsprechenden Eigenschaft sprachlich verbinden, z.B. man überlegt: Was könnte schwerelose Kommunikation sein?
  • Mit Synonymen arbeiten: z.B. Gewichtslosigkeit statt Schwerelosigkeit. Der Begriff “Gewicht” lässt einen mehr darüber nachdenken, dass hier eine Reduzierung des Gewichtes schon ein wenig hilfreich sein könnte, zumindest schon in die richtige Richtung geht.
  • Genau nehmen: könnte in diesem Fall ebenfalls zur Lenkung des Blicks auf das Gewicht führen. Schwerelos ist etwas, das seine Schwere losgeworden ist. Während man bei Gewichtslosigkeit jedoch eher darüber nachdenkt, Materialien mit wenig Gewicht zu benutzen, lenkt diese Formulierung den Blick mehr auf Möglichkeiten, wie man Gewicht reduzieren könnte.
  • Von einer anderen Perspektive aus betrachten: Man lenkt hier den Blick z.B. auf die Ursachen. Ursache ist die Schwerkraft, also die Gravitation. Könnte man diese irgendwie beeinflussen?
  • Mit Metaphern arbeiten: Schwerelos wie ein Blatt im Wind: Hier lenkt man die Aufmerksamkeit auf den Wind, also darauf, dass man das Problem auch lösen könnte, wenn man etwas in der Umgebung verändert und nicht am Ding selbst.
  • Inspirations-Collage: Es kann auch weiter helfen, wenn man die Metaphern auch skizziert bzw. eine Collage erstellt mit allen möglichen Dingen, die einem zu Schwerelosigkeit einfallen.
  • Ideen-Skizzen, bei denen man versucht, eine schwerelose Kommunikation bildlich darzustellen. Sie ist dann zumindest schon in der Skizze real und die Skizze dient als Anregung für Ideen.
  • Andere Techniken aus den anderen Schlüsseln benutzen, vor allem Optimierung und Alternative

Bisher hat man sich bei dieser Technik noch nicht um den psychologischen Code geschert. Das macht man hier erst zum Schluss, indem man die entwickelten Ideen anhand des Codes bewertet.