Techniken für Alternative

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Kreativtechniken für den Ideenschlüssel: Alternative

Eine alternative Idee passt immer dann, wenn bestimmte Zielgruppen das Produkt zwar gebrauchen könnten, es aber keine Version des Produktes gibt, die ihrer bevorzugten Umgangsform entspricht. Würde man als Frau z.B. gerne eine Frauenzeitschrift lesen, interssiert sich aber nicht für die typischen Inhalte solcher Zeitschriften (Mode, Schönheit, Kochen, Beziehungen, Kinder etc.), könnte hier eine alternative Frauenzeitschrift erfolgreich sein, die sich mit anderen Themen befasst. Es sollte sich dabei auch um eine echte Alternative handeln und nicht nur um dasselbe in Grün (Das wäre dann nur eine Variation). Eine Alternative bietet sich z.B. für weiße Umgangsformen an (siehe Farben des Umgangs im Menüpunkt: Analyse), die sich für die vorhandenen Produkte, z.B. vorhandene Frauenzeitschriften, nicht interessieren.

Die Alternative kann auch aus einer anderen Produktgruppe stammen, oder eine Dienstleistung sein, anstelle eines Produktes. Ein Hersteller von Fahrradanhängern könnte auch – speziell für Fahrradtour-Reisende – einen Gepäck-Bring-Service einrichten als Alternative zu einem Fahrradanhänger. Hier befindet man sich jedoch – sehr wahrscheinlich – jenseits des psychologischen Suchfeldes für Fahrradanhänger, sodass es sich dann – psychologisch betrachtet – um eine Metapolation handelt.

Die Techniken werden im Laufe der Zeit noch erweitert. Es lohnt sich also, ab und zu hier vorbei zu schauen!

Nimmo - Alternative

Bei Nimmo handelt es sich um eine Art Parallelwelt-Methode. Der Name wurde inspiriert vom Quantenphysiker Andy Nimmo, der den Begriff “Multiversum” geprägt hat. Die beiden speziellen Operationen der Nimmotechnik sind die Analogie auf abstrakter Ebene und der Vergleich von quasi Äpfeln (oder Bananen) mit Birnen, um auf alternative Ideen zu kommen. Die Technik eignet sich besonders für Produkt- und Geschäftsmodellideen.

Zur Durchführung der Nimmo-Technik bereitet man am besten ein Formular vor (siehe Bild), um den Vorgang zu erleichtern und vor allem die Übersicht zu bewahren, da sich die Ideenentwicklung stark verzweigt. Wer die Technik gemeinsam in einer Gruppe durchführt, sollte viele Metaplanwände zur Verfügung haben …

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Das Vorgehen hat mehrere Schritte. Ausgangsbasis sind z.B. die wichtigsten Bedürfnisse der Konsumenten in Bezug auf eine Produktgruppe, die im Forschungsprozess (psychologische Grundstruktur) ermittelt wurden, z.B. könnte es bei einer Produktgruppe zentral sein, den Menschen das Leben und den Alltag zu erleichtern, z.B. ein Computer. Gerade für ältere Menschen ist die Bedienung eines Computers aber nicht leicht. Wie könnte man für diese Zielgruppe eine leichte Alternative schaffen?

  • Analogie: Im ersten Schritt löst man sich komplett von der Produktgruppe und fragt danach, wo und was denn in anderen Bereichen erleichtert oder z.B. “kinderleicht” ist. Hier sollte man “Erleichterung” auch wortwörtlich nehmen. So kann z.B. auch eine Diät erleichtern oder ein Freispruch, wenn man vor Gericht angeklagt wurde, oder wenn man Eischnee in einen Pudding einrührt.
  • Vergleich: Im zweiten Schritt listet man die Vorteile z.B. der Erleichterung durch eine Diät im Vergleich zur Erleichterung eines Computers auf (Äpfel mit Birnen vergleichen), z.B. man fühlt sich beweglicher nach einer Diät, man findet sich in der Regel schöner etc.
  • Transfer: Im dritten Schritt versucht man die Vorteile der Erleichterung durch eine Diät auf den Computer zu übertragen (dabei funktionieren nicht immer alle Vergleiche), z.B.: Könnte man einen Computer irgendwie beweglicher machen, um für mehr Erleichterung zu sorgen?
  • Auswahl: Da die Vergleiche weit her geholt sind, kommt nicht immer etwas Sinnvolles dabei heraus, das für die passende Art von Erleichterung beim Computer sorgt, sodass man im letzten Schritt die Ideen noch einmal kritisch bezogen auf den psychologischen Code betrachten und auswählen muss.

Bei Designprodukten sollten parallel auch immer Skizzen / Konstruktionszeichnungen (ggf. Modelle) erstellt werden. Analogien lassen sich aber auch generell oft über das Erscheinungsbild finden: Was ist zwar eigentlich nicht ähnlich, aber sieht so ähnlich aus oder fühlt sich so ähnlich an? Ähnlichkeiten findet man oft nur dadurch, dass man sich die konkreten Dinge vorstellt und in der Vorstellung miteinander vergleicht. Auch bei Prozessen bringt das Skizzieren einer Prozess-Choreografie Vorteile für die Übersichtlichkeit und Inspiration zur Entwicklung weiterer Ideen.

Die große Menge an Ideen ergibt sich dadurch, dass man zu jedem Thema mehrere Analogien finden kann, jede Analogie mehrere Vorteile hat und aus jedem Vorteil mehrere Transfer-Ideen entwickelt werden können. Führt man diese Technik für Computer durch, würde man hier z.B. ua. auf Ideen wie dem “Tablet” kommen, aber zusätzlich noch auf viele weitere.

No Problem!

Ausgangslage sind positive Beispiele. (Diese Technik kann man – leicht abgewandelt – auch für Optimierungsideen nutzen, siehe unten)

Im ersten Schritt formuliert man alles, was noch nicht optimal ist, als Problem, z.B.: “Das Produkt ist zu kompliziert”, oder “Das Produkt ist für die Konsumenten irrelevant” (Sie kaufen es nur, weil sie es müssen, aber nicht, weil es attraktiv für sie ist, z.B. ein Handyvertrag), oder “Das Gesundheitsprodukt ist nicht genussvoll”. Man kehrt die Problemstellungen dann um, z.B.: “Das Produkt ist unkompliziert” und sucht dabei aber auch noch nach weiteren ähnlichen Formulierungen mithilfe der Fragen: Was heisst es, wenn ein Produkt unkompliziert ist, oder wie könnte man das noch formulieren? Z.B.: Das Produkt ist einfach, bequem, verständlich, easy etc. Oder beim Problem “Irrelevanz”: “Das Produkt ist spannend, nützlich, sexy etc.” …

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Im nächsten Schritt sucht man Beispiele mit der Frage: Was ist denn einfach oder sexy, also wer hat das Problem nicht, oder wo (in welcher Situation oder an welchem Ort) hat man es nicht etc? Hier sollte man nicht nur ähnliche Produkte oder Dienstleistungen als Vergleich nehmen (aber auch!), sondern sich ebenso in ganz anderen Bereichen umschauen, z.B. in einer ganz anderen Branche, in der Natur, in der Partnerschaft, im Urlaub, in einer anderen Kultur, zu einer anderen Zeit etc.

Dann führt man im nächsten Schritt eine Analyse durch mit der Frage: Warum gibt es in diesen anderen Bereichen das Problem nicht? Um die tatsächlichen Gründe dafür heraus zu finden, müsste man diesen anderen Bereich eigentlich professionell erforschen. Da es hier aber nur darum geht, Anregungen für Ideen zu erhalten, reichen Mutmaßungen für das “Warum”, z.B.: “Das Produkt ist easy, weil man bei seiner Handhabung nichts falsch machen kann”, oder “Das Produkt ist sexy, weil es den Ruf hat, dass nur erfolgreiche Menschen dieses Produkt besitzen” (z.B. eine bestimmte Automarke).

Die Vorteile, z.B. der Grund, warum etwas “sexy” ist, können auch im Erscheinungsbild oder der Handhabung liegen (z.B. lieben es viele Konsumenten an einem Smartphone, dass sie keine Knöpfe drücken müssen, sondern nur sanft mit dem Finger wischen). Es ist also ein Vorteil, wenn man z.B. Vergleichsprodukte aus anderen Bereichen vorliegen hat, sie anschauen und ausprobieren kann, um das Geheimnis des Erfolgs zu ermitteln. Zumindest ist die Vorlage von Fotos oder Skizzen förderlich (man kann ja nicht alle Vergleichsprodukte kaufen).

Im letzten Schritt, die Entwicklung von konkreten Ideen, sucht man auf der Basis der ermittelten Erfolgsfaktoren nach Alternativen: Wie könnte ein alternatives Produkt beschaffen sein, das – möglichst alle – ermittelten Erfolgsfaktoren erfüllt? Wie müsste es aussehen (Skizzen) und zu handhaben sein (Konstruktionszeichnungen)? Mit der Technik “No Problem!” kann man auch Optimierungsideen entwickeln, indem man die Erfolgsfaktoren als Wegweiser für Verbesserungen nutzt.

Im Unterschied zur Optimierung versucht man bei der Alternative jedoch aus dem Material aus der Analyse eine ganz neue Idee zu entwickeln. Dazu ist es nötig, das Produkt, die Produktgruppe oder das Werbedesign, um das es geht, erst einmal völlig außer Acht zu lassen. Man tut so, als würde man ein neues Unternehmen gründen, bei dem noch gar nicht entschieden ist, was es in Zukunft anbieten wird und versucht völlig losgelöst vom Gegebenen etwas Neues zu entwickeln. Zur Optimierung des Vorhandenen kann man die Technik dann aber zusätzlich verwenden, z.B. wenn man keine Alternativen findet, diese unrealistisch sind oder nicht zum Unternehmen passen etc.

Quatsch-Alternativen

Diese Technik geht einen Umweg, um den Assoziationsraum für Ideen zu erweitern. Der erste Schritt könnte auch eine Technik aus dem Schlüssel “Ideal-Fiktion” sein. Zuerst werden möglichst blödsinnigen Alternativen gesucht, jedoch bezogen auf den psychologischen Code, z.B.: Wie kann der Selbstoptimierer sich noch mehr optimieren? Indem er z.B. zum Cyborg wird und sich Roboterarme an seinen Körper baut (heute allerdings gar nicht mehr so sehr unvorstellbar blödsinnig).

Hier kann man mit zwei wettstreitenden Teams arbeiten, deren Aufgabe es ist, sich an Blödsinnigkeit möglichst zu überbieten. Die blödsinnigen Alternativen dienen als Umweg für ernstzunehmende Ideen.

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Im zweiten Schritt sucht man nach den wahren Kernen der blödsinnigen Ideen, bzw. nach den blödsinnigen Ideen, die ein wenig anders betrachtet oder anders formuliert gar nicht so blödsinnig sind, wie sie zunächst erschienen, um daraus nicht-blödsinnige Ideen zu entwickeln. Man wäre ja nicht auf diese Idee gekommen, wenn es keine Alternative gewesen wäre. Mögliche Fragestellungen sind hier:

  • Was ist an dieser Alternative attraktiv?
  • Was könnte der Persona an dieser Alternative besonders gefallen?
  • Was genau ist an der Alternative besser als am Vorhandenen?
  • Hat sie im Vergleich zum Vorhandenen noch einen besonderen Mehrwert? (Da der Mehrwert auch im Design liegen kann, bieten sich hier auch Skizzen zur besseren Verdeutlichung an)

Zusätzlich sollte man aber auch ermitteln, was genau an dieser Alternative so blödsinnig und unrealistisch ist.

Man kann nun auf zweierlei Weise weiter vorgehen:

  1. Inspiration: Man sucht auf Basis der Antworten zu den Fragen oben eine Alternativ-Idee, die realisierbar ist /nicht blödsinnig. Dabei dienen die blödsinnigen Ideen als Inspiration. Vielleicht muss man gar nicht so viel abwandeln, um den Blödsinn zu eliminieren? Man könnte z.B. anstelle eines Roboterarms etwas in den Ärmel der Kleidung einbauen, das die Kraft des Arms verstärkt, oder den Arm auch bei normaler Bewegung ständig trainiert.
  2. Gezielte Problemlösung: Kann man gezielt das, was an der Idee so blödsinnig ist, gegen etwas anderes austauschen, das nicht blödsinnig ist oder das Problem auf andere Art lösen (hier können auch die Techniken des Schlüssels “Optimierung” weiter helfen)? In diesem Fall könnte der zweite Weg zur selben Idee führen: verstärkender Ärmel. Die gezielte Problemlösung könnte aber auch zu anderen Ideen führen als die Inspiration, die weniger gezielt ist.

Better place / time / thing

Bei dieser Technik ist die Ausgangslage die Wünsche und Sehnsüchte der Zielgruppe, für die Ideen entwickelt werden. Man kann aber auch Probleme oder Barrieren, die sich in der Exploration zeigten, umkehren und positiv als Wünsche formulieren. Zur Vorbereitung sollte man aus der Analyse (psychologischer Code und Grundstruktur) bezogen auf eine bestimmte Zielgruppe die wichtigsten Wünsche fokussiert formulieren. Hier sollte man auch auf die Begriffe achten, damit die Formulierung den Wunsch möglichst passend und nachempfindbar verkörpert.

Zuerst werden zu den verschiedenen Wünschen mögliche Ideen bezogen auf alternative Orte, Zeiten, Dinge etc. gesucht …

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Beispiel Studie Gesundheitstourismus, Zielgruppe “Unzufriedene” (siehe vorne): Für seinen “Wunsch nach inspirierenden Welten” sucht man Beispiele für alternative inspirierende Welten aus anderen Bereichen, z.B.:

  • andere Tätigkeitsfelder: Beruf, Hobby etc. / z.B. Künstler, Schafhirte
  • Phantasie: Märchenwelten, Film etc. / z.B. Kleine Meerjungfrau, Mars, Pipi Langstrumpf
  • Freizeit: Orte und Tätigkeiten / z.B. Kino, Dachterrasse, Literatur lesen
  • Zeitreisewelten: Vergangenheit oder Zukunft / z.B. Ritterzeit, Urknall, Sissi, aber auch “Zeitreise” als solches
  • Geht es um Dinge (z.B.: Dinge zur Inspiration), sucht man entsprechend alternative Dinge

Die alternativen Welten werden als Begriffe (möglichst ein einziger Begriff) auf Karten geschrieben und gesammelt.

Im zweiten Schritt sammelt man die Begebenheiten der Produktgruppe. Im Fall von Gesundheitstourismus an einem bestimmten Ort sind das z.B.: Hotels, Restaurants, Kliniken für bestimmte Gesundheitsanwendungen, Sehenswürdigkeiten (z.B. ein Kloster, eine Grotte, ein Park, ein Pilgerweg), Sportangebote etc. Auch diese Begriffe werden auf Karten geschrieben.

Im dritten Schritt kombiniert man jeweils einen Begriff aus den alternativen Welten mit einem Begriff aus den Begebenheiten. Durch die Kombinatorik werden die Wünsche der Zielgruppe mit den Begebenheiten des Anbieters zusammen gebracht. Im Prinzip kann hier jeder Begriff mit jedem kombiniert werden und die Reihenfolge getauscht werden, z.B.”Fahrrad-Zeitreise” oder “Zeitreise-Fahrrad”.

Bei einem durchgeführten Workshop zum Gesundheitstourismus ergaben sich aus der Kombination – neben dem Begriff “Fahrrad-Zeitreise” – eine Menge weitere zusammengesetzte Begriffe, Beispiele:

  • Sissi-Pilgerweg
  • Grotten-Literatur
  • Wildnis-Bibliothek
  • Atemwegs-Kunst
  • 1001 Schönheits-Nacht
  • Holodeck-Frühstück
  • Münchhausen-Fotografie
  • Hippi-Handwerk
  • und viele mehr …

Die kombinierten Begriffe dienen zur Inspiration für konkrete Ideen bezogen auf den konkreten Tourismusort und der Zielgruppe. Schon bei der Kombination der Begriffe merkt man oft, welche zusammengesetzten Begriffe sich zur Inspiration eignen und wählt dann nur diese aus den möglichen Kombinationen aus. Für die konkrete Ideenentwicklung ist es zielführend, sich die Realisation des Begriffs vorzustellen – auch in Form von Skizzen, aber auch Beschreibungen von konkreten Abläufen – und sich zu fragen: Was genau könnte es für ein Angebot / Produkt sein, das einen solchen Namen trägt? Wie sieht es genau aus? Was macht man damit genau? etc. Hier muss man auch im Hintergrund das tatsächliche Thema gegenwärtig halten, damit es sich auch um passende Ideen handelt.

Die Fahrrad-Zeitreise könnte z.B. ein Fahrradreise-Angebot sein, bei dem man es ruhig angehen lässt, täglich nur wenige Kilometer fährt und durch besonders inspirierende Landschaften mit besonderen Sehenswürdigkeiten. Bei der Grotten-Literatur könnte es sich um eine Veranstaltung handeln, bei der es eine Literaturlesung in einer Grotte gibt. Zusätzlich könnte es bei diesen Lesungen darum gehen, diejenige vorgelesene Geschichte zu prämieren, die besonders “grottig” schlecht war.

Alternativ-Gurus

Welche Alternative würde Einstein vorschlagen oder ein berühmter Musiker oder ein Politiker? Diese Technik wird mit einem Rollenspiel (in einer Gruppe) durchgeführt. Plant man, diese Technik in einem Workshop durchzuführen, ist eine sehr gut passende Aufwärmübung dazu “Papalagi”, siehe dort.

Zunächst sammelt man mögliche “Gurus”. Hier ist es hilfreich, wenn man möglichst verschiedene aus verschiedenen Bereichen nimmt. Günstig ist es aber auch, wenn man sich mit der Denkweise dieses Gurus auskennt. Es spricht also sehr dafür, dass man direkt mit einem interdisziplinären Team aus verschiedenen Bereichen arbeitet und jeder seine originäre Rolle bekleidet. Anderenfalls muss man versuchen, sich in den jeweiligen Guru hinein zu versetzen. Wenn möglich, könnte man hier auch jedem Teilnehmer Vorbereitungszeit geben, in der er entweder im Internet nach seiner Rolle recherchiert oder man bereitet Infomaterial vor, muss dann aber schon vorher festgelegt haben, welche Rollen man nimmt.

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Man diskutiert nun miteinander (aber nicht gegeneinander, sondern jeder macht Ideen-Vorschläge) und es braucht einen Protokollanten oder besser zwei. Die Diskussion kann so lange gehen, wie sie fruchtbar ist.

Die Rollenspieler haben dann erst einmal eine kleine Pause und die Protokollanten werten die Protokolle grob aus, indem sie eine übersichtliche Liste der Ideen-Vorschläge anlegen. Im gesamten Team werden die Ideen-Vorschläge dann noch einmal nacheinander vorgestellt und zu jeder wird mit Brainstorming oder Brainwriting weiter überlegt, die Ideen also konkretisiert.

Im nächsten Schritt werden die Ideen bewertet, z.B. mit der PMI-Methode (Aufteilung in Plus, Minus und Interessant). Kriterium der Bewertung sollte der psychologische Code sein. Hier kann es hilfreich sein, wenn man einen Teilnehmer, der sich mit den Forschungsergebnissen gut auskennt, als Moderator einsetzt und ihm ggf. auch das letzte Wort in der Bewertung zugesteht.

Ideal-fiktionale Erweiterung

Anstelle der Alternativ-Gurus als menschliche Persönlichkeiten kann man hier auch mit “schrägeren” Rollen vorgehen, z.B.

  • ein Alien
  • ein Tier oder eine Pflanze
  • ein Gott
  • eine fiktive Figur, z.B. der kleine Hobbit oder Harry Potter
  • das Produkt selbst personifiziert
  • etc.

Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt!

Alternativ Collage

Diese Technik basiert unmittelbar auf den erstellten Visualisierungen, bzw. der sinnlichen Forschung (siehe Menü: InsightArt Prozess). Bestenfalls hat man bereits erstellt:

  • eine Lebenswelt-Collage mit Persona (oder beides einzeln)
  • eine Meta-Collage
  • eine Prozess-Map, sofern hier der Prozess wichtig ist (z.B. bei einer Dienstleistung)
  • sonstige Skizzen und Fotos

Sind die vorhandenen Visualisierungen sehr komplex, sollte man noch weniger komplexe Versionen erstellen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren. Vielleicht hat man auch schon im Vorfeld bestimmt, dass man nur zu einem bestimmten Teil des Ganzen Ideen entwickeln möchte (z.B. nur zum direkten Kaufprozess in einer customers journey), sodass man dann Visualisierungen erstellt, die sich auch nur auf diesen Teil beziehen, z.B. nur die Map des Mikro-Prozesses verwendet.

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Man entwickelt hier alternative Ideen sowohl aus der visuellen Anschauung, als auch zu den Begrifflichkeiten. Die Technik ähnelt der Galerie-Technik. Ausgehend vom sinnlichen Material einer Zielgruppe, die mit dem bestehenden Angebot nicht zufrieden ist, erstellt man auf der Basis des psychologischen Codes alternative Collagen, bzw. Maps. Es kann bei dieser Technik sehr spannend sein, wenn man sowohl Teilnehmer dabei hat, die sich mit den Forschungsergebnissen und dem psychologischen Code zu diesem Thema bestens auskennen, als auch Teilnehmer, die eher unbedarft sind und sich ohne genaue Kenntnis dann nur von den Bildern und Texten auf den Collagen leiten lassen können.

  • Man formuliert die Texte um, also so wie sie positiv lauten müssten
  • Man ändert die Bilder so, dass sie positiv werden

Man kann hier auch immer verschiedene Versionen ausprobieren. Dazu ist es natürlich hilfreich, wenn man die Collagen und Maps so vorliegen hat, dass man einzelne Bilder oder Textkarten weg nehmen kann und durch andere ersetzen. Man kann aber auch die neuen Ideen auf leeren Blättern über die alte Collage pinnen. Es sollten aber auf jeden Fall von einer Collage mehrere Exemplare vorliegen, damit man auch mehrere Ideen zu einem Thema platzieren kann. Man arbeitet zuerst ohne Worte und jeder der Teilnehmer kann frei und parallel Veränderungen an einer der Collagen oder Maps vornehmen. Diese Technik ist also eher aktiv und – zumindest in der Anfangsphase – intuitiv.

Freies, intuitives Vorgehen

Zunächst kümmert man sich relativ wenig darum, wie real die textlichen und bildlichen Alternativen sind, die man austauscht, sondern geht vom Wunschbild aus, also vom “So müsste es sein” oder auch vom “So könnte es alternativ sein” oder auch gerne vom “So könnte es für die Persona / Zielgruppe schön sein”. Dabei kann man sich zunächst auch gerne vollkommen von seiner Intuition leiten lassen und spielerisch vorgehen und z.B. in ein tristes Ladenlokal, wenn es um Ideen zu einem Kaufprozess geht, Blümchen hinein malen, um es weniger trist zu gestalten.

Man schaut einfach über die Collagen und lässt sich inspirieren, wählt spontan das aus, was einen gerade anspricht oder wozu einem etwas einfällt und lässt sich in der Ideenfindung von seinen Vorstellungen leiten, also quasi den Verstand zunächst ausschalten, sich von der Inspiration (ver)führen lassen, in die Abbildungen und Begriffe eintauchen und noch nicht darüber nachdenken, dass es am Ende etwas sinnvolles Ganzes werden soll. Läuft der Prozess schon länger, kann man sich dann auch von den Ideen / neuen Skizzen und Texten, die andere Teilnehmer aufgepinnt haben, inspirieren lassen.

Gemeinsam vervollständigen

Fällt den Teilnehmern nichts mehr ein, schaut man sich gemeinsam an, wo noch Lücken sind, also noch kein Ersatz für das alte gefunden wurde. Diese Lücken versucht man nun gemeinsam zu füllen, sodass dann jetzt auch Sprechen erlaubt ist.

Auswertung und Modifizierung

Schließlich wertet man das Ganze aus. Jeder Teilnehmer erzählt kurz etwas zu seinen einzelnen Eingriffen: Was es bedeutet (sieht man bei Bildern nicht immer sofort) und ggf. wie man – auf Basis des psychologischen Codes – darauf gekommen ist (das wird man nicht immer wissen, wenn man intuitiv vorgegangen ist, aber man kann auch versuchen, es im Nachhinein zu erklären). Bei diesem Prozess ist der Einsatz eines Protokollanten günstig!

Man muss nun die einzelnen Ideen bewerten und auswählen. Hier muss man auch ggf. über den Sinn und die Realisierbarkeit einer Idee diskutieren, bzw. die Idee dann noch einmal so modifizieren, dass sie sinnvoll und realistisch ist und das alte Bild oder den Begriff auf der Collage durch das modifizierte ersetzen. Wird man sich bezüglich der Sinnhaftigkeit oder Realisierbarkeit nicht einig (jeder darf hier seine Ideen auch verteidigen und solche Verhandlungen können auch scheitern) oder hat man den Eindruck, dass die Idee gar nicht so schlecht ist, man findet aber nur noch keine sinnvolle Modifizierung, kann man sie auf einer extra Collage sozusagen zur Wiedervorlage beibehalten.

Umsortieren

Hat man hier mehrere Ideen, die infrage kommen (z.B. von verschiedenen Teilnehmern auf verschiedenen Collage-Exemplaren zum selben Thema), muss man diese noch sortieren. Bei der Entwicklung der Ideen hat man noch nicht darauf achten können, auch weil alle Teilnehmer “wild” an einer Collage arbeiten können, dass die Einzelideen zusammen passen. Es stecken vermutlich Überlegungen hinter den einzelnen Ideen, die kein stimmiges Gesamtkonzept ergeben. Man kann hier versuchen, verschiedene Gesamtkonzepte aus den einzelnen Ideen auf neuen Collage-Vorlagen zusammen zu stellen (also umsortieren, was zusammen passt). Auch hier werden sich dann wieder Lücken ergeben, die man wieder gemeinsam – diesmal passend zum jeweiligen Gesamtkonzept – versucht zu füllen.

Schluss-Diskussion

Man muss jetzt noch einmal alle – jetzt als Gesamtkonzepte sortierte – Collagen genau betrachten und gemeinsam darüber nachdenken, was man hier eigentlich entwickelt hat und noch einmal kritisch anhand des psychologischen Codes überprüfen. Hierbei können sich noch weitere neue Ideen oder Modifizierungen ergeben.

Schließlich sollten die Konzepte zum Schluss noch zusätzlich in Textform gebracht werden, um sie auch nach ein paar Tagen noch nachvollziehen zu können.

Alternativ Exkursion

Viele Anregungen für Ideen findet man, wenn man sich vor Ort begibt. Am Ort des Geschehens findet man nicht nur Informationen – wie z.B. bei einer Internetrecherche – sondern auch Stimmungen. Befinden sich auch Personen an diesem Ort, haben sie ein bestimmtes Verhalten, das man beobachten kann.

Gesucht werden jedoch alternative Ideen, sodass man bei dieser Techniken Exkursionen zu alternativen Orten unternimmt. Arbeitet man in einem Team, kann man die einzelnen Teammitglieder oder paarweise jeweils an einen anderen Ort schicken. Man sollte sowohl naheliegende Orte wählen als auch entfernt liegende und Orte, die grundsätzlich etwas Inspirierendes haben.

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Zuerst wählt man mögliche Orte aus. Um einen Vergleich zu haben, kann man auch im Vorfeld mit allen Teilnehmern erst einmal einen typischen Ort aufsuchen, an dem das Produkt (oder die Dienstleistung, etc.), um das es bei der Ideenentwicklung geht üblicher Weise verwendet wird, also sozusagen der gewöhnliche Heimatort des Themas (geht es z.B. um ein Küchenutensil, sucht man eine Küche auf). Es ist auch gut, wenn sich die Teilnehmer schon vorher mit dem psychologischen Code und der Zielgruppe gut vertraut machen. Sie sollten die Kenntnisse dazu aber nicht in einem Dokument zur Exkursion mitnehmen, sondern es im Hinterkopf behalten, bzw. “aus dem Blick behalten”.

Wahl der Orte:

  • Naheliegende Orte (geht es z.B. um ein Restaurant, sucht man andere Arten von Gastronomie auf, z.B. eine Bar oder eine Kantine)
  • Fernliegende Orte (man wählt Orte, die möglichst wenig mit dem Thema gemeinsam haben, z.B. bei Restaurant: einen Spielplatz, eine Fabrik, einen Wald etc.)
  • Inspirierende Orte (hiermit sind alle besonderen Orte gemeint, die man schon allein gerne wegen des Ortes aufsucht: Museum, Kirmes, Tropfsteinhöhle, gotische Kirche, Vergnügungspark etc.)

Ausstattung

Bei der Exkursion sollte man dabei haben: Fotoapparat (bzw. Smartphone), Skizzenblock, Textblock. Nimmt man ein Tablet mit, hat man gleich alles dabei und zusätzlich noch die Möglichkeit, Filme oder Sounds aufzunehmen. Die Skizzen sind vor allem da nötig, wo man keine Fotos machen kann (z.B. lassen sich viele Menschen nicht gerne fotografieren oder an manchen Stellen ist die Beleuchtung zu schlecht, um auf dem Foto etwas zu erkennen). Es kann aber für die spätere Ideenentwicklung auch sehr hilfreich sein, wenn man nicht nur das fotografiert, was man tatsächlich vorfindet, sondern wenn man auch seine persönlichen Eindrücke festhält, also das Gesehene schon mit eigenen Vorstellungsbildern und Stimmungen vermischt oder eine übertriebene Karikatur aus etwas macht, um es deutlicher zu haben.

Ablauf

Man nimmt sich vor Ort viel Zeit, schaut sich alles genau an, probiert ggf. auch etwas aus und hält seine Eindrücke vor Ort fest: in Bild und Text und vielleicht auch Tonaufnahmen. Hat man schon spontane Ideen, darf man diese natürlich auch notieren, auch wenn es hier noch nicht um Ideenentwicklung geht. Im Anschluss an die Exkursion sollte jeder sein Material ein wenig aufbereiten, sodass er es den anderen Teilnehmern präsentieren kann.

Nach der Exkursion kommen die Teilnehmer wieder zusammen. Nacheinander präsentieren sie ihr Material. Dabei sollten nicht nur die “Fakten” präsentiert werden, sondern auch die persönlichen Eindrücke. Es gibt immer zwei Durchläufe. Im ersten Durchlauf sind die anderen nur Zuschauer und Zuhörer. Sie konzentrieren sich darauf, sich in die Erlebnisse des Vortragenden möglichst gut hinein zu versetzen. Sie dürfen auch Fragen stellen, um sich ein genaueres Bild zu machen.

Dann werden die einzelnen Passagen der Präsentation nacheinander durchgegangen und zu jeder Passage werden zunächst folgende Fragen beantwortet (wenn hier schon spontane Ideen auftauchen, dürfen diese natürlich auch genannt werden):

  • Was hat der Ort, das für die Zielgruppe interessant sein könnte?
  • Was genau ist daran interessant?
  • Was könnte das mit dem Thema / Produkt um das es in der Ideenentwicklung geht, zu tun haben?
  • An was erinnert es beim eigenen Thema? (Analogien)
  • Was ist sonst noch interessant oder bemerkenswert, lässt sich aber nicht so richtig der Zielgruppe oder dem Thema zuordnen?

Man kann noch einen weiteren Durchgang anschließen, in dem man die einzelnen Passagen noch einmal betrachtet. Man kann diesen Schritt aber auch direkt mit dem davor verbinden, also direkt im Anschluss an die beantworteten Fragen. Das Team entwickelt Ideen zur Zielgruppe, bzw. alternative Ideen zum Thema / Produkt, um das es hier geht, die zum psychologischen Code und der Zielgruppe passen. Es kann sich auch nur um Ideenansätze handeln, die man dann jeweils auf Karten notiert, um sie festzuhalten.

Hilfsfragen zur Ideenfindung:

  • Wie kann man das Interessante des Ortes auf das eigene Thema übertragen? Hier sollte man die verschiedenen Möglichkeiten im Blick haben: Man kann Designelemente übertragen, Handhabungen, Funktionen, Abläufe etc.
  • Was könnte man – ggf. in leicht veränderter Form – adaptieren?
  • Würde das eigene Thema an diesem Ort stattfinden, was würde sich dadurch ändern und was lässt sich daraus ableiten?
  • etc. (ist immer noch ausbaufähig)

Sind alle Präsentationen durchgeführt und Ideen entwickelt, müssen sie ggf. noch in Gesamtkonzepte sortiert werden. An den Ideenansätzen muss man noch weiter überlegen, um aus diesen ggf. noch konkrete Ideen zu entwickeln.